Dies sind Auszüge aus Prof. James Amas Standardwerk "Ritt auf dem Lappen. Eine Einführung in Sprungraumphysik für Nicht-Physiker. Kern-Bücher Books Verlag, Zentral/Kern 1102.
"Was ist der Sprungraum?"
Der Sprungraum ist ein Phaenomen ausserhalb des normalen Raumzeitkontinuums,
welches mit diesem aber in einer ganz besonderen Weise verbunden ist:
Es scheint, als formten die Sterne der Galaxis eine "extrauniversale" Struktur,
deren "Normalraumentsprechung" im Durchschnitt etwa 0,3 Lichtjahre dick,
aber unermesslich breit und lang ist.
Vereinfachend nennen wir diese Entsprechung der extrauniversalen Struktur im
Folgenden "Sprungraumstruktur" oder kurz "SRS".
Das fremde Universum, in dem der eigentliche Transport eines Schiffes stattfindet,
nennen wir "Sprungraumuniversum".
Gleich einer zerknüllten Tischdecke berührt die SRS praktisch jedes Sternensystem des
Bekannten Weltraums.
Der derzeitige Stand der Forschung ist, dass die Entstehung oder Existenz sowhl der SRS
als auch des Sprugraumuniversums in einer bisher nicht genau verstandenen Weise mit der
Gravitation der Sterne der Galaxis verbunden ist.
Warum sind Sprungraumkarten flach?
Sprungraumkarten zeigen die "zerknüllte Tischdecke, die Sprungraumstruktur, in einer Weise, die die Sprungweiten (siehe unten) der Sterne der Galaxis im Verhältnis zueinander einfach und übersichtlich darstellt. Es mutet wie eine Ironie des Universums selbst an, dass eines der komplexesten Konzepte der Physik auf einem einfachen Stück Papier dargestellt und für praktische Zwecke ausgenutzt werden kann, ganz einfach durch "Geradeziehen" einer dreidimensionalen Darstellung der Sprungraumstruktur.
Wie funktioniert ein Sprungtriebwerk?
Ein Sprungtriebwerk ist, vereinfacht gesagt, ein extrem komplexes Gerät, das alles innerhalb seiner Sprunggitterstruktur (inklusive des Gitters selbst) in das Sprungraumuniversum versetzt, vorausgesetzt, das besagte Gitter befindet sich innerhalb der SRS, also der "zerknülltes-Tischtuch"-Struktur im Normalraum, und es sich mindestens 100 Durchmesser von jeglichen grossen Massen entfernt befindet. Punkt. Das ist alles. Die verschiedenen weiteren Dinge, die geschehen, nachdem das Raumschiff in das Sprungraumuniversum versetzt wurde, werden nicht durch das Sprungtriebwerk bewirkt, sondern sind eine reine Auswirkung des Sprungraumuniversums selbst.
Was also passiert genau mit einem Schiff, das "springt"?
Als Erstes wird das Sprungtriebwerk aktiviert. In diesem Prozess wird eine enorme Menge Materie in ihrer einfachsten Form (also Atome aus jeweils einem Proton mit einem Neutron, zu Deutsch: Wasserstoff) benötigt, um ins Sprungraumuniversum überzuwechseln. Je höher das Volumen des Schiffes, desto höher die Menge an benötigtem Wasserstoff - die Abhängigkeit ist linear. Zusätzlich wird eine enorme Menge an Energie benötigt, um sozusagen ein "Loch" zwischen Normalraum und Sprungraumuniversum zu öffnen.
Im zweiten Schritt wird das Schiff in den Sprungraum transferiert, wobei es eine elektromagnetische sogenannte "Sprungsignatur" erzeugt, die im Normalraum aufgefangen werden kann und dem zufälligen Beobachter entweder die Richtung oder die Entfernung des Sprunges anzeigt, niemals jedoch beides. Das Schiff ist nun im Sprungraumniversum.
Drittens transportiert das Sprungraumuniversum das Schiff entlang des vorbestimmten Pfades mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. (Zur tatsächlichen Geschwindigkeit siehe unten.)
Viertens tut das Sprungraumuniversum etwas ausgesprochen praktisches für den Weltraumreisenden: Es "spuckt" die fremde Materie nach einer bestimmten Zeit wieder aus, die üblicherweise bei ca. 170 Stunden (plus oder minus 10 Prozent) liegt. Diese wenig verstandene Fähigkeit des Sprungraumuniversums, fremde Materie wieder "loszuwerden" macht das Triebwerk erst brauchbar, ohne sie wäre es nutzlos. (Siehe unten, "Was kann ein Sprungtriebwerk nicht tun?")
Schliesslich erscheint das Schiff wieder im Normalraum, wobei wieder eine Sprungsignatur entsteht, mit umgekehrten Vorzeichen der entnehmbaren Information. Der Sprung ist abgeschlossen: Indem es durch das Sprungraumuniversum gereist ist, hat das Schiff eine enorme Distanz in nur einer Woche zurückgelegt.
Wais kann ein Sprungtriebwerk nicht tun?
Ein Sprungtriebwerk tranferiert das Schiff lediglich in das Sprungraumuniversum, wobei es eine Menge Wasserstoff "verbraucht" (dieser bleibt am Absprungpunkt zurück und verteilt sich rasch im Vakuum). Das bedeute, es kann nicht das Schiff wieder in den Normalraum zurückbringen. Sobald man den Sprung eingeleitet hat, ist man unwiderruflich gezwungen auf den Zeitpunkt zu warten an dem die Universen ihre Angelegenheiten untereinander geregelt haben.
Sprungweiten
Das Sprungraumuniversum hat, vereinfacht gesagt, mehrere "Schichten". Es gibt eine unbekannte, aber sehr große Anzahl an Sprungraumschichten, und jede davon korrespondiert mit einer anderen Reisegeschwindigkeit und -richtung. Die Meisten dieser Schichten sind allerdings für das Reisen vollkommen nutzlos, da die von ihnen bewirkte Geschwindigkeit zu niedrig oder die Richtung unpassend ist, um sie wirtschaftlich interessant zu machen. Die schnellste Schicht, die nach derzeitigen Erkenntnissen nutzbar gemacht werden kann, ist "sechs Sprungweiten pro Sprung" auf einer Sprungraumkarte. Diese tieferen Sprungraumschichten zu erreichen erfordert mehr Wasserstoff und ein komplexeres Sprungtriebwerk, soweit unser derzeitiges Verständnis uns zu sagen erlaubt. Die tatsächliche Länge einer "Sprungweite" hängt von der Struktur des Sprungraumuniversums ab, welche weit davon entfernt zu sein scheint, homogen zu sein. Die tatsächliche Reisedistanz für "eine Sprungweite" hängt daher vom Ort ab, an dem man reist. An den meisten Stellen im Bekannten Weltraum ist die tatsächliche Länge einer Sprungweite zwischen 2,7 und 3,6 Lichtjahre lang. Allerdings gibt es Ausnahmen von dieser Regel, Orte, an denen der Unterschied zwischen "einer Sprungweite" und einem altterranischen Parsek (3,26 Lichtjahre im Normalaum) recht gross sind.
Die Tatsache, dass heute eine "Sprungweite" auch "Parsek" genannt wird, ist eine Folge der
menschlichen Geschichtei: Zwei Sprungweiten ist ungefähr 2 Parsek (6,6 Lichtjahre) auf der Strecke
Sol-Barnard (und nur dort), wenn man einen Sprung der Weite 2 springt (oder zwei Sprung-1-Sprünge, etc.).
Als die Solomani dem Vilani-Iperium begegneten und es später eroberten, ersetzten sie den alten
Vilani-Ausdruck für "eine Sprungweite" mit einem Begriff, der ihnen geläufig war: Parsek.